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DDP-Meldung vom 29.03.2009, 12:20 Uhr

Tausende Menschen demonstrieren gegen Krisenpolitik

 

Frankfurt/Main (ddp-hes). Die Botschaft «Wir zahlen nicht für eure Krise» und die Forderung nach Umverteilung des Reichtums in Deutschland hat am Samstag in Frankfurt mehrere Tausend Demonstranten vereint. Der Platz auf dem Frankfurter Römerberg, der schon große Veranstaltungen und riesige WM-Feste gesehen hat, reichte nicht aus, um alle Kundgebungs-Teilnehmer aufzunehmen. Während seiner Rede wurde Linke-Chef Oskar Lafontaine mit Eiern beworfen. Sonst sei alles friedlich geblieben, sagte ein Polizeisprecher. Die Veranstalter sprachen von 25 000 Demonstranten, die Polizei schätzte die Zahl auf 12 000.

Aufgerufen zu dem Protesttag hatten Gewerkschaftsgruppen, das globalisierungskritische Attac-Bündnis, die Linke und eine Reihe von Vereinigungen und Netzwerken, darunter auch Gruppen, die sich selbst der «Autonomen Antifa» zurechnen. Parallel zu der Frankfurter Veranstaltung beteiligten sich an einer Demonstration in Berlin rund 15 000 Menschen, außerdem gab es zeitgleich große Proteste in London.

Bis 12.00 Uhr fanden sich in Frankfurt vor dem Hauptbahnhof und der Bockenheimer Warte an der Uni bei kaltem Regenwetter jeweils Tausende Demonstranten ein, um nach ersten Kundgebungen auf getrennten Wegen durch die Innenstadt zu ziehen. Die auf Autonomie bedachten Antifa-Gruppen hatten sich an die Spitze des in Bockenheim formierten Demonstrationszugs gesetzt, ohne Abstand folgte ihnen ein kilometerlanger Aufzug, in dem Gewerkschafts- und Attac-Fahnen das Bild bestimmten.

Zu Auseinandersetzungen mit der Polizei, die besonders den Protestmarsch aus Bockenheim mit einem starken Aufgebot begleitete, kam es nicht. Ein paar Feuerwerksraketen, gezündet von Autonomen, verrauchten vor der Alten Oper wirkungslos. Mehr Wirkung entfalteten die Demonstrationen auf das shoppingfreudige Einkaufsvolk in der City, das sich zur umsatzträchtigsten Zeit an diesem Samstag nicht so ungehindert wie gewohnt in der Innenstadt bewegen konnte.

Beide Demonstrationszüge trafen noch vor 15.00 Uhr auf dem Römerberg vor dem Rathaus zusammen. Frankfurts beliebtestes und leistungsfähigstes Kundgebungsterrain war heillos überbevölkert, auch auf dem angrenzenden Paulsplatz und am Mainufer standen Tausende Protestler. Über ihren Standpunkt ließen sie Beobachter nicht im Zweifel. «Wir zahlen nicht für eure Scheiße», hieß es auf Plakaten. «Gewinne privatisieren, Verluste sozialisieren? Yes, we can auch anders», war auf einem anderen Transparent zu lesen.

Auf der Römerberg-Kundgebung sprach Leni Breymaier als Rednerin für ver.di Baden-Württemberg. «Nicht wir haben über unsere Verhältnisse gelebt», rief sie unter Beifallsstürmen. «Nicht wir haben die Krise verursacht.» Ihre Forderung: «Wir wollen sie deshalb auch nicht bezahlen!» Systemrelevant seien in Deutschland weder Banken noch Finanzmärkte. «In diesem Land sind die Menschen systemrelevant», schloss die ver.di-Frau.

Während seiner Rede wurde Lafontaine von Autonomen ausgepfiffen. Als vereinzelt Eier flogen, ging der Linke-Chef hinter Regenschirmen in Deckung. Darüber hinaus gab es keine Zwischenfälle. Die Polizei hatte sich im Vorfeld auf gewaltbereite Teilnehmer eingestellt und war mit einem Großaufgebot im Einsatz.

(ddp)

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